Geld anlegen 2017: Tipps für Angsthasen und Mutige

Immer wieder werde ich gefragt: Wo soll ich nur in diesem Jahr meinen Spargroschen anlegen? Meine Antwort für gewöhnlich: Das kommt darauf an! Ja, worauf eigentlich?

Zuallererst wofür Sie Ihr Geld benötigen bzw. zu welchem Zweck es für Sie dienen soll. Und gleich danach, wie mutig und risikoreich Sie bei der Geldanlage an sich sind. Denn ehrlich: Einen gewissen Mut zum Risiko brauchen Sie heute, wollen Sie letztlich eine gute Rendite im Sparstrumpf haben.

Zuerst mal sicher, oder?

Die meisten von uns sind eher sicherheitsbewusst und möchten Ihr Erspartes zumindest weitgehend vor der aktuell steigenden Inflation schützen. Hier gibt es im Prinzip nur zwei Möglichkeiten: Ein gut verzinstes Tagesgeldkonto oder ein renditereiches Festgeldkonto mit kurzer oder mittlerer Laufzeit.

In Sachen Tagesgeld sind aktuell bis zu 0,7 % an Zinsen drin. Top-Anbieter hier: Die französische Renault Bank direkt, die niederländische MoneYou und die Austrian Anadi Bank aus Kärnten. Hier können Sie als Tagesgeldkunde bis zu 500.000 Euro und mehr zwischenparken oder länger anlegen

Bleibt als zweite Möglichkeit das Termingeld. Festgeldkonten verzinsen sich – je nach gewählter Laufzeit – teils deutlich höher als Tagesgeld. Allerdings sollten Sie Laufzeiten über 24 Monate bei der aktuell nur schwer zu prognostizierenden Zinslage tunlichst meiden. Wer weiß schon, was Anfang oder Mitte 2018 einem am Sparmarkt geboten wird?! Einjährige Festgelder beispielsweise werfen aktuell bis zu 1 % Ab. 1,01 % sind es derzeit konkret beim Online-Festgeld der französischen Crédit Agricole, das BestFix Konto der Santander Consumer Bank bietet 0,95 % an Zinsen, und die Online-Festgelder von Deniz Bank und Renault Bank direkt immerhin noch 0,90 %.

Tipp zur Anlage in Tages- und Festgeld

Wenn Sie in Österreich Ihr Erspartes als Tages- oder Festgeld anlegen möchten, können Sie derzeit bei allen genannten Anbietern eine Einlagensicherung in Höhe von 100.000 Euro nutzen. Übrigens gilt diese Summe im Sinne der gesetzlichen Einlagensicherung für alle Ihre Konten bei einer Bank. Möchten Sie Ihr Geld vom Risiko her streuen – und dies ist gerade bei höheren Summen sinnvoll – können Sie dies durch verschiedene Sparkonten bei mehreren Online Banken recht einfach und ohne Zusatzspesen tun.

Vielleicht doch mehr Risiko?

Sparen bringt keine Zinsen mehr, aber Aktien – ich weiß nicht. Immer wieder begegnen mir solche Aussagen. Wir Österreicher sind seit jeher Angsthasen in Sachen Börse – das gilt leider nach wie vor. Sicher, es gab den „Neuen Markt“ der seinerzeit zur Jahrtausendwende kollabierte, und auch die Bankenkrise, von der man weiß, dass sie noch nicht mal halbwegs überwunden ist. Aber deswegen Aktien oder Fonds meiden? Nein, ein Blick auf die Börsen in Österreich, Europa und vor allem auch darüber hinaus, lehren uns anderes. Durchwegs beachtliche Jahresrenditen – teils sogar im zweistelligen Bereich – konnte erzielen, wer sein Erspartes in den letzten Jahren hier in den Ring geworfen hat. Natürlich gilt hier neben dem Risiko das Prinzip Vorsicht, aber das ist selbst für Privatanleger kein Problem. Sie müssen nicht in risikoreiche Einzelwerte investieren, um ordentliche Renditen zu erzielen. Wenn Sie beispielsweise auf gut gemanagte Sparpläne aller Art, Indexwerte oder ETFs zurückgreifen und risikoreiche Zertifikate oder gar Hebelprodukte konsequent meiden, sind Sie in aller Regel vor Verlusten gefeit.

Tipp zur Anlage in Aktien und Fonds

Tipp: Neben einem gesunden Verhältnis zum Risiko sollten Sie in Sachen Geldanlage an der Börse zwei Dinge beachten. Erstens müssen Sie Verluste für eine gewisse Zeit finanziell „aussitzen und ertragen“ können, und zweitens sollten Sie immer auch die Kosten im Blick haben. Das fängt bei der Wahl des geeigneten Online-Brokers für Ihr Depot an.

Und wie geeignet sind Immobilien noch?

Ich kaufe mir jetzt noch eine Wohnung, wo soll ich meine paar Spargroschen denn sonst anlegen! Wenn ich solche Sätze lese oder höre, überkommt mich mitunter ein mulmiges Gefühl. Die eigene Immobilie als Geldanlage und Zukunftsvorsorge ist ohne Zweifel eine feine sinnvolle Sache. Doch was dabei für die Auswahl und Finanzierung gilt, sollte erst recht für die Zweit- oder gar Dritt-Immobilie gelten. Klar locken hier niedrige Zinsen zur Finanzierung und ist eine gute Nachfrage am Mietmarkt garantiert. Doch es gibt eben Risiken auch: Gerade bei Gebrauchtimmobilien gilt immer die Frage: Ist der Kaufpreis überhaupt gerechtfertigt? Verspricht die Lage künftig eine Renditesteigerung? Und wie sieht es mit soliden finanziellen Rücklagen aus.

Tipp zur Immobilienanlage

Wenn Sie neben der eigenen Immobilie weitere Spargroschen ins berühmte Betongold stecken, sollte Ihre Immobilienfinanzierung finanziell für Sie solide machbar sein. Andernfalls – das zeigt so manche Erfahrung – kann aus dem vermeintlich renditesicheren Objekt schnell ein finanzielles Grab werden, dessen Risiko nicht weniger hoch ist, als das Zocken an der Börse.

Mein Fazit: Sowohl beim Tagesgeld als auch beim Festgeld wachsen 2017 die Zinsen mit Sicherheit nicht zum Himmel. Im Gegenteil. Bei vermutlich weiter steigender Inflation geht es hier im Prinzip um sichere Schadensbegrenzung, und weniger um Rendite. Immerhin aber ist Ihr freies Sparguthaben beim Tages und Festgeld allemal besser aufgehoben, als beispielsweise auf dem Girokonto. Hier gibt’s meist gar nichts dafür. Ganz anders bei Fonds und Aktien. Wer sich hier geschickt anstellt, gründlich informiert und auf möglichst niedrige Kosten am Depot achtet, kann übers Jahr gesehen durchaus weit höhere Renditen als die Inflation erzielen – und das bei meist überschaubarem Risiko. Man muss sich nur trauen. Gleiches gilt im Prinzip für Immobilien. Die Zinsen sind noch im Keller, die Preise auf dem Markt allerdings schon lange nicht mehr. Dennoch gilt: Wenn Sie über genügend Barmittel verfügen, auf ein sicheres Einkommen zurückgreifen können und eine Wohnung oder Haus samt potenziellen Mieter in vielversprechender Lage gefunden haben, spricht gegen diese Form der Geldanlage wenig. Im Gegenteil, spätestens im Rentenalter lockt hier eine ordentliche Rendite.

Und: Wie immer im Leben gilt auch für die Geldanlage: Der Mix macht`s und ohne ein gewisses Risiko geht wenig! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes Händchen und viel Erfolg beim Geld anlegen 2017. Bleiben Sie heiter!

Ihr Johann Lackner